Marv //
Da geht man nichtsahnend in Boston zum Abendessen, um sich vom täglichen Konferenz-Stress zu erholen, und dann steht auf einmal das hier vor einem. Im Glas befindet sich allerdings "nur" Franziskaner Hefeweizen und kein Julius Echter. Und außerdem ist das Bier nicht meines. Auf dem Teller rechts im Bild befinden sich übrigens das zu diesem Zeitpunkt noch vorhandene letzte Drittel meines Abendessens. Die anderen zwei Pfund Fleisch hatte ich da schon hinter mir. Ich hoffe mal, dass das Fleisch-Koma bis morgen früh hinter mir habe. Um acht geht es nämlich mit Vorträgen weiter.
Im Kampf gegen die Weihnachtskalorien habe ich mir dieses Jahr ein striktes Sportprogramm auferlegt. Ich kann mich gar nicht mehr dran erinnern, wann ich das letzte Mal innerhalb einer Woche viermal beim Sport war.
Bei meinem Eintrag über das Uproar Festival im Oktober hatte ich ja schon geschrieben, dass Avenged Sevenfold kurzfristig ihren Auftritt absagen mussten, es aber dafür ein kostenloses Ersatzkonzert geben sollte. Und am Freitag war es so weit. Und damit Avenged Sevenfold das Abendprogramm nicht alleine bestreiten müssen, haben sie als Vorbands Asking Alexandria und Hollywood Undead mitgebracht, mit denen sie gerade auf US-tour sind.
Von Asking Alexandria, die den Abend eröffneten, haben wir - beinahe schon traditionell - den halben Auftritt verpasst, da wir noch mit dem Abendessen beschäftigt waren. Das leichte Verkehrschaos auf dem Weg von Stanford nach San Jose hatte allerdings die Hauptschuld, dass wir zu spät waren.
Aber auch so kamen wir noch in den Genuss von den letzten 20 Minuten der Show. Und das war schon mal ein gutes Aufwärmprogramm für die Ohren - gepflegter Heavy Metal, der leider teilweise unter suboptimalem Sound zu leiden hatte.
Hollywood Undead mischten dann munter Rap und Rock. Teilweise waren die Songs richtig gut, andere waren aber fuer meinen Geschmack zu rap-lastig. Insgesamt aber haben auch Hollywood Undead gute Musik gemacht.
Gegen halb 10 kamen dann endlich Avenged Sevenfold auf die Bühne. Dass die Bühne für die Umbauarbeiten komplett von einem Vorhang verhüllt war, ließ ja schon einiges erwarten. Und auch wenn spätestens seit dem Rammstein-Konzert im Frühjahr die Messlatte für Pyrotechnik extrem hoch liegt, war die Bühnenshow von Avenged Sevenfold sehenswert. Zentrales Element auf der Bühne war ein Totenschädel mit Fledermaus-Flügeln, woran zahlreiche Flammenwerfer installiert waren - also alles, was man so für eine ordentliche Heavy-Metal-Show braucht. Und auch wenn ich kein einziges Lied kannte - wenn das Konzert nicht umsonst gewesen wäre, wäre ich wohl nicht hingegangen - war das Konzert sehr sehens- und vor allem hörenswert. Wie es sich für Konzerte hier gehört, war dann pünktlich um 23 Uhr Schluss.
Nach der Niederlage gegen Oregon sah es ja so aus, als ob sich Stanford von nahezu allen Saisonzielen verabschieden müsse. Von allen Saisonzielen? Nein, denn eines bleibt ja immer, egal wie die Saison sonst so läuft: Das "Big Game" gegen den Lokalrivalen aus Berkeley muss gewonnen werden. Und dazu bot sich am Samstag die Gelegenheit. Nach dem bisherigen Saisonverlauf galt Stanford zwar als deutlicher Favorit, aber in einem Derby hat die Favoritenrolle eher selten etwas zu bedeuten.
Vor dem Anpfiff füllte sich das Stadion nur sehr langsam, was vermutlich hauptsächlich am nass-kalten Wetter lag. Ich war immerhin rechtzeitig im Stadion gewesen, um einen Platz unter dem Vorsprung des oberen Ranges zu bekommen. Aber mit meinem trockenen Platz dürfte ich im Stadion zu einer deutlichen Minderheit gehört haben. Pünktlich zum Spielbeginn war das Stadion dann aber doch gefüllt und die Stimmung entsprechend gut.
Seit Freitag Abend bin ich wieder zurück aus Santa Barbara. Nach ein oder zwei Tagen hatte ich mich übrigens an die Aussicht von meinem Büro aus gewöhnt und bin doch noch zum Arbeiten gekommen.
Der endgültige Abschied aus Santa Barbara hat sich allerdings etwas verzögert. Und das lag nicht daran, dass ich mich nicht von meinem Strandpanorama losreißen konnte. Vielmehr hatte das Flugzeug aus mir unbekannten Gründen Verspätung. Zu guter letzt mussten wir sogar noch ein paar Minuten auf dem Rollfeld herumstehen, bevor wir einsteigen konnten. Das "Hier warten"-Schild hätte es für mich gar nicht gebraucht. Ohne ausdrückliche Erlaubnis von jemandem, der sich am Flughafen auskennt, wäre ich eh nicht auf die Idee gekommen, quer über das Rollfeld auf das nächstbeste Flugzeug zuzulaufen.